Die EU-Taxonomie in der Bau- und Immobilienbranche: Was Unternehmen jetzt wissen müssen

Die Anforderungen an nachhaltige Unternehmensführung steigen – nicht nur gesellschaftlich, sondern auch regulatorisch. Ein zentrales Element dieser Entwicklung ist die EU-Taxonomie, ein Klassifikationssystem, das definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als ökologisch nachhaltig gelten. Für Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche bedeutet das: Wer zukunftssicher wirtschaften will, muss sich jetzt mit den konkreten Anforderungen auseinandersetzen – insbesondere mit dem Thema Klimarisikoanalyse.

🏛 Was ist die EU-Taxonomie?

Die EU-Taxonomie ist ein zentrales Instrument des europäischen Green Deal. Sie gibt Unternehmen, Investoren und Finanzinstituten ein einheitliches Rahmenwerk, um wirtschaftliche Aktivitäten auf ihre ökologische Nachhaltigkeit zu bewerten. Ziel ist es, Kapitalflüsse in nachhaltige Aktivitäten zu lenken und Greenwashing zu vermeiden.

♻ Die 6 Umweltziele der EU-Taxonomie

Eine wirtschaftliche Tätigkeit gilt nur dann als „ökologisch nachhaltig“, wenn sie:

  1. zu mindestens einem der folgenden Umweltziele einen wesentlichen Beitrag (wB) leistet,
  2. keine der anderen Ziele erheblich beeinträchtigt (DNSH – „Do No Significant Harm“)
  3. und soziale Mindestschutzmaßnahmen einhält.

Die sechs Umweltziele lauten:

  1. Klimaschutz
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen
  4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
  5. Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  6. Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme

🏗 Relevanz für die Bau- und Immobilienbranche

Die Bau- und Immobilienwirtschaft kann laut EU-Taxonomie nur zu den Zielen 1 (Klimaschutz), 2 (Klimawandelanpassung) und 4 (Kreislaufwirtschaft) einen wesentlichen Beitrag leisten. Trotzdem müssen alle sechs Ziele berücksichtigt werden – denn bei den nicht aktiv adressierten Zielen dürfen keine erheblichen Beeinträchtigungen (DNSH) entstehen.

🌍 Klimawandelanpassung (Ziel 2): Der Schlüsselbeitrag der Branche

Wer als Bauunternehmen, Projektentwickler oder Bestandshalter zur Anpassung an den Klimawandel einen wesentlichen Beitrag leisten möchte, muss eine Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse durchführen und geeignete Anpassungsmaßnahmen umsetzen. Dabei geht es um Fragen wie:

  • Ist das Gebäude gegen zukünftige Starkregenereignisse, Hitzeperioden oder Überschwemmungen gewappnet?
  • Sind Klimafolgen wie steigende Temperaturen oder veränderte Niederschlagsmuster bei Planung und Materialwahl berücksichtigt?

Zur Umsetzung können etablierte Leitfäden wie der der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) oder ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft) herangezogen werden.

⚠ DNSH-Prinzip: Klimarisikoanalyse auch für alle anderen Ziele nötig

Wichtig: Auch wenn ein Unternehmen nicht Umweltziel 2 aktiv adressieren will, muss im Rahmen des DNSH-Grundsatzes für alle sechs Umweltziele geprüft werden, ob die Aktivität das Ziel nicht erheblich beeinträchtigt.

Für das Ziel „Klimawandelanpassung“ bedeutet das:

  • Eine Tätigkeit (z. B. Erwerb oder Bau eines Gebäudes) darf nicht zu einer Verschärfung klimatischer Risiken führen, etwa indem sie nicht an erkannte Risiken angepasst ist (z. B. Hochwassergebiet ohne Schutzmaßnahmen).
  • Es darf auch keine Fehlanpassung erfolgen, z. B. durch den Bau eines Dammes, der andere Grundstücke gefährdet.

Das heißt konkret: Ohne Klimarisikoanalyse keine EU-Taxonomie-Konformität – unabhängig davon, welches Umweltziel adressiert wird.

📊 Fazit: Klimarisikoanalyse als zentrales Element

Für Unternehmen in der Bau- und Immobilienbranche ist die Klimarisikoanalyse kein „Nice-to-have“, sondern eine regulatorische Notwendigkeit. Sie bildet die Grundlage für die Einhaltung des DNSH-Prinzips und ist zugleich Voraussetzung für einen „wesentlichen Beitrag“ zu Umweltziel 2.

Durch eine gebäudespezifische Analyse und passgenaue Anpassungsmaßnahmen können Unternehmen nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, sondern auch die Resilienz ihrer Gebäude und Investitionen langfristig sichern.


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